CARRIED THE CROSS 2015 – akustik Video

nachdem carried the cross letzte woche überraschend im zdf lief und mich so viele liebe menschen auf den song ansprachen, habe ich am wochenende kurzentschlossen eine akustik gitarren version aufgenommen, die den song ziemlich genauso wiederspiegelt, wie ich ihn 2000 in Hamburg geschrieben habe. ich denke, der song kommt in dieser fassung auch noch mit aufs neue album ..danke an bernd für den spontanen einsatz an der kamera…danke auch an all die vielen lieben emails und anfragen seit der tv ausstrahlung. das bedeutet mir unheimlich viel, dass mein song nach all den jahren immer noch berührt. vor allem in der aktuellen lebensphase, in der ich mich befinde. danke.


Das Universum.

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Man steckt einfach nicht drin, ich sag es ja immer wieder. Im täglichen Klein – Klein einer Musikerin, die sich im Augenblick selbst managed, vergesse ich es auch immer wieder: Es kommt immer anders als man gerade denkt. Immer !

Seit fast einem Jahr arbeite ich zum Teil 14 Stunden am Tag an der Fertigstellung und Veröffentlichung meines ersten englischsprachigen Albums seit “Dakota” und habe das Gefühl, dass mir hier etwas besonderes gelungen ist. Besser gesagt gelingt, denn ich bin noch nicht fertig.

Zum einen bin ich , nach diversen Ausflügen in andere Richtungen, ganz zurück zum Ursprung gegangen in der Instrumentierung und der Art , wie das Album aufgenommen ist. Zum anderen entfaltet sich  in meiner Musik eine gewisse Weichheit, von der ich denke, dass sie eventuell auch anderen gefällt. Aber man weiß es eben nicht.

Deshalb schwimme ich im Orbit des kreatives Stroms umher und hoffe einfach, dass ich es richtig mache. So heißt dann auch das Album : “Swimming in the sea of wilderness” , wobei wilderness die innere Wildnis beschreibt, in die ich mich als Künstlerin begeben muss, sobald ich ein neues Werk schaffe. Eine Wildnis, in der existenziell nichts zählt als ich selbst und das, was ich am Ende des Tages zu schaffen in der Lage bin. Und immer wieder die Frage : “Kann ich es wirklich ? ”

Es ist ein wenig so, als würde ich nur mit einem Survival Paket bestehend aus einem Briefchen Streichhölzern, einem großen Messer (mit Sägefunktion) und einer Decke, vielleicht ein wenig Proviant,  im Wald überleben müssen. Auch Nachts. Und alles, was ich tun kann, wirklich tun kann ist, darauf zu vertrauen, dass dieses Universum, aus der all diese Ideen kommen, sich letztlich um mich kümmert. Dass alles gut wird. Dass die Dinge sich letztlich zusammenfinden. Ich weiß, dass das Universum existiert als beschützende Kraft . Auch wenn  ich es in der Mühle des Alltags, die auch vor einer Musikerin nicht halt macht, regelmäßig vergesse.

Und dann, nachdem es sich monatelang  eher wie richtige Arbeit anfühlt als nach freischaffender Kunst, ein Phase, die bisweilen sehr einsam sein kann und durch die ich eben durch muss - sendet das ZDF  am gleichen Tag, an dem ich den entscheidenden Schritt in Richtung Endmix für mein neues Album gehe  - zur besten Sendezeit –  meinen Titel “carried the cross”  ausgiebig als Filmmusik  . In der Serie “Marie Brand” !!!

Ich selbst weiß nichts davon, bis mir jemand am nächsten Tag auf Facebook schreibt, wie gut ihm das gefallen hat. Ich poste ein wenig herum, um staunend  herauszufinden, dass das ziemlich viele Leute  gesehen und gehört haben und dass der Titel und das dazugehörige Album “contact myself ” – 15 Jahre nach erscheinen der Cd – auf Platz 12 (!!!) der Amazon mp3  Pop Charts ist.

Mir fehlen die Worte, liebes Universum. Da hast du dich ja wirklich selbst übertroffen.


Wie ich mit Van Morrison zu Mittag aß (Teil 4 : finally arrived)

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Als ich am Dienstag Morgen gegen 10 Uhr 30 in den Real World Studios ankam, waren Stuart Bruce und Oli Jacobs seit 9 Uhr damit beschäftigt, die Mikrofone für mich einzurichten. Ein Telefunken Röhrenmikro für die Stimme, (später ein Neumann, dass wir aber am 2. Tag wieder abbauten) das diese wunderbar seidig und weich einfing, ein Schoeps Stereopaar für die Gitarre dazu zwei Paare Overheads für den Raumsound. Für meine Hagstrom Bariton E – Gitarre hatte Stuart zwei Gitarrenverstärker aufgebaut.

Nach einem kurzen Soundcheck spielte ich noch vor dem Mittagessen mehr aus Zufall “bloodbuzz ohio ” von the national  ein und war froh, dass Stuart nicht bei jedem kleinen Rascheln meines Sweatshirts oder Quietschen meiner ewig wippenden Füße die Aufnahme wegen “Störgeräuschen” stoppte. Wir hatten darüber am Tag zuvor im ” the pig and the fiddle ” gesprochen. Wie ich es hasste, von überperfektionistischen Tonmeistern bzw Produzenten auseinandergenommen zu werden, bis ich keinen Ton mehr herausbrachte. Oder nur noch solche, mit denen ich mich später schlecht identifizieren konnte. Wir hatten uns darauf geeinigt, die Aufnahme unter allen Umständen laufen zu lassen , bis wir einen  guten, in einem Durchgang gespielten Take hatten.

Es fiel mir wirklich schwer, das zu akzeptieren, obwohl es ja meine eigene Idee war, denn 20 Jahre im Musikgeschäft hatte mich auf eine paranoide Weise gelehrt, lieber pefekt zu sein als lebendig. Und je genauer man hinhörte, desto mehr “Unperfektheiten” waren ja  auch zu hören.   Auch ein Grund, warum ich seit Jahren  mehr oder weniger zurückgezogen meine CDs selbst produzierte. Mit dieser Strategie hatte ich es auch hinbekommen, einige gute Produktionen selbst zu realisieren, aber ich wollte über diesen Punkt hinaus. Ich wollte mich fallen lassen, umsorgt sein, darauf vertrauen, dass dieser große Mann  hinter der Glasscheibe für mich arbeitete und nicht gegen mich. Ich wollte diesen ehrlichen, feinen, lebendigen britischen Sound, also musste ich auch lebendig sein. Ich wollte einfach alles loslassen.

Und es war ein Wunder, denn es funktionierte.  Das, was diese Gegend, dieses Gebäude, diese Menschen ein – und ausatmeten, all das vermischte sich mit meiner eigenen Geschichte und den Tönen die ich von mir gab . Kein plugin dieser Welt konnte diese Athmosphäre ersetzen.

Wir arbeiteten uns bis zum Mittagessen voran und Oli, der die Aufnahmen als angestellter Real World House Engineer alleine gemanaged hätte, hätte ich Stuart nicht engagiert, fügte sich einfach perfekt in unser kleines Produktiosteam ein. Stuart veränderte hi und da die Mikrofonie, baute Stellwände um und  die Gitarrenverstärker auf und wieder ab – und Oli half ihm dabei. Es machte ihnen Spass, und deshalb machte es mir auch Spass. Kein mürrisches Zeitungsgelese am Mischpult, kein wortloses Mißtrauen meinem Urteilsvermögen gegenüber weil ich mit  XX – Chromosomen geboren wurde, kein Toningenieur und Studiobesitzer, der während der laufenden Aufnahmen seine Hose umsäumt (!), keine total betrunkenen, unflätig werdenden Musikproduzenten, keine fragwürdigen Andeutungen, Seitenblicke, Untertöne.  Nur die Gitarren, meine Stimme, der Raum und wir. Das Paradies.

Oli holte in den Aufnahmepausen englischen Tee mit Milch und 2 Stück Zucker – starken, guten,  schwarzen Tee, wie ich ihn zu Hause nie hinbekomme und auf einigen der Tassen war das aktuelle Peter Gabriel back to front logo abgedruckt . Was wollte ich mehr. Ich fühlte mich erwachsen aber nicht festgefahren. Ich hatte Angst, aber die gehörte nun eben dazu. Ich war nicht perfekt, aber das erwartete hier auch niemand von mir, denn alle die hier arbeiten, sind Profis und haben verstanden, dass Perfektion überhaupt nichts bedeutet, solange man keine Gefühle zeigt.

Kurz  vor dem Mittagessen war es Zeit, mein Zimmer  zu beziehen und wir gingen vom Aufnahmeraum über den knirschenden Kies hinüber in das Guesthouse, von dem ich leider keine Fotos gemacht habe. Es war, als würde ich in ein Heiligtum eintauchen und als würde ich es   verraten, würde ich Fotos von den Innenräumen der Residenz machen, und diese anderen zeigen, also ließ ich es sein. Es ist ein unausgesprochenes, ungeschriebenes Gesetz, was diese inneren Kreise der Studios betrifft : Alles was man privat mitbekommt, von Leuten, die durchaus Weltstar Status haben, was sich offenbart an persönlichen Schwächen oder Stärken, bleibt hinter diesen Mauern, in den Räumen, hinter einer unsichtbaren Membran, die das Künstlerdasein in all seiner Verletzlichkeit vor der Außenwelt schützt. Nur so kann man sich im geschützten Raum öffnen, sicher sein, dass niemand einen schon morgen so verletzlich ablichtet und ausverkauft.

Lieber nahm ich diese Bilder in meinem Herzen mit nach Hause. Die Eingangstüre  ist  mit einer grossen , einem Kirchenfenster ähnlichen Glasintarsie besetzt. Die Möbel sind antik  und etwas zusammengewürfelt, ein hochwertiges Sammelsurium der letzten 25 Jahre Studiogeschichte. Kunstbücher über Fotografie stehen in Regalen und  all dieses schöne Ambiente hat gar nichts von falschem, leeren, protzigen Luxus.

Ich bekam ein sehr sehr schönes, hell gehaltenes Zimmer mit großem Badezimmer, geschwungenen Wasserhähnen und weichen Teppichen im ersten Stock des Hauses. Vom Schlafzimmerfenster aus sah ich auf einen kleinen Pavillion, in dem ein Billardtisch stand, den jedoch im Augenblick niemand benutzte . Im sonst tipp top gepflegten Studiokomplex war das die einzige Unperfektheit : jemand hatte eine benutzte back to front – Tasse auf dem Fensterbrett stehen lassen und wenn ich aus meinem Zimmer nach draußen sah, schaute ich auf diese Tasse und stellte mir vor, von wem sie wohl stammte.

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Unten im Parterre befindet sich das Herzstück des Studios: die Küche mit dem angrenzenden Speiseraum, in dem sich mehrmals am Tag zu festen Mahlzeiten alle “Bewohner ” der Studios treffen und miteinander über das, was sie gerade machen, beim Essen sprechen. So werden die neusten Technologien diskutiert und jeder hält den anderen über die latest News auf dem laufenen. “Peter is touring in England in december .”  “Oh,is he ?!”… Der französische Koch und seine Mitarbeiterin aus Nordengland waren so unfassbar freundlich und fähig,  dass es eine Freude war. Das beste Essen, das ich in meinem ganzen Leben bekommen habe.

 

 

Während ich noch einige Sachen aus dem Aufnahmeraum in mein Zimmer bringe, trifft mich gänzlich unvorbereitet die Neuigkeit, dass Van Morrison mit seiner gesamten Crew seit Anfang der Woche im big room , also nur einen Steinwurf vom wooden room entfernt, in dem ich gerade stehe und an meinen Sachen herumsortiere, an Aufnahmen für sein neues Album arbeitet. ” Van Morrison is here ?!” Direkt nebenan im big room ?!  Mir bleibt für einen Moment die Luft weg. Natürlich fragte ich mich im Vorfeld dieser Reise, ob auch bekannte Leute dort sein und ich sie treffen würde, aber nun stelle ich fest, dass ich gar nicht weiß, wie ich darauf reagieren soll. So sehr bin ich mit meiner Gitarre und meiner Performance, der an einigen winzigen Stellen doch mehr Vorbereitung gut getan hätte, beschäftigt.

Van Morrison ist nebenan und gleich gibt es Essen. Der Koch wartet schon.  Stuart rät mir, Van nicht direkt anzusprechen, er sei da sehr empfindlich da er extrem schüchtern sein. Wobei schüchtern eigentlich kein Ausdruck dafür sei, was Van Morrison ist. Stuart hat schon einmal eine Aufnahmesession für ein Van Morrison Album geleitet. “Don´t talk to him .”  “No, no …! ” antwortete ich, denn ich bin genauso schüchtern und froh, wenn ich es ohne Schweißausbrüche schaffe, mich mit mir unbekannten Personen zum Essen an einen Tisch zu setzen. Auch wenn die nicht Van Morrison heißen.  Nie im Leben würde ich von mir aus die anderthalb Meter vom woodroom über den Flur in den bigroom überqueren, obwohl ich es könnte, wenn ich es wollte. Einmal in real world, gibt es kaum verschlossene Türen. Aber es ist mir heilig. Ich bleibe  in meinem Terrain, und gerade deshalb ist mir diese Begegnung einer der intensivsten geblieben.

Wenige Minuten später betreten Stuart, Oli und ich den Speiseraum und da sitzt er. Jetzt trifft es mich doch wie ein Stromschlag. Ungefähr so habe ich mich auch gefühlt, als ich 2004 nach einem Konzert der growing Up Tour in Köln auf der Aftershowparty einmal Peter Gabriel vorgestellt wurde. “Hey Peter, this is Katja. A very talented artist from Germany.” Peter steht vor mir, gibt mir die Hand, ich bringe nicht weiter heraus als “I am very pleased to meet you, Peter. ” Was sollte ich auch sagen. Mein Herz schlug bis zum Hals, der Schweiß brach mir aus, meine Hände wurden feucht, so schüchtern war ich.

Durch den ganzen Speiseraum muss ich laufen , an Van vorbei, der schon beim Nachtisch ist, als wir hereinkommen und so nehme ich, die Frau aus Deutschland, neben  Van Morrison Platz . Bestimmt 40 Minuten sitzen wir nebeneinander, ohne ein einziges Wort zu wechseln. Stuhl an Stuhl an diesem riesigen Esstisch aus schwerem, alten Holz.   Van spricht mit Kenny, seinem Chef Engineer, der aus den Abbey Road Studios in London angereist ist. Aber wegen des irischen Akzents verstehe ich kein Wort, worüber quer über den Tisch Witze gemacht werden, weil die Engländer im Raum genauso wenig verstehen. Sie feixen und ziehen sich gegenseitig auf, bringen ihre Dialekte zum Vorschein – Es ist sehr lustig.

Nach und nach geht jeder einzelne der Crew wieder in den Big room , um weiter zu arbeiten. Aber Van bleibt noch sitzen. Ich mustere Van, obwohl ich es eigentlich nicht will, von der Seite. Soll ich mich zu ihm hindrehen und doch etwas sagen? Aber was? “Hello Mr. Morrison? ” Das ist doch albern. Van mustert mich auch, schaut von der Seite, wenn ich nicht hinschaue. Natürlich hatte ich höflich gegrüßt, als ich mich setzte, Van aber nicht direkt angeschaut und seitdem weitesgehend geschwiegen.

Van Morrison, er hat mir, wie so vielen anderen Menschen, immer sehr viel bedeutet. Die erste Lp, die ich mir  von meinem eigenen Geld gekauft hatte, war “Moondance” gewesen und ich habe sie immer noch. Ich erinnere mich genau, wie ich, höchstens 17 Jahre alt,  diese  damals eigentlich schon antike  LP aus den 70 igern   lange betrachtete und  ihr Gewicht in meiner Hand abschätzte. In diesem  damals sehr angesagten Schallplattenladen in Köln, wegen dem ich extra dorthin gefahren war, hielt ich diese LP, die fast so alt war wie ich selbst, in der Hand und begutachtete  den Mann in dem engen Bühnenoutfit, für das er eigentlich zu klein war, das ihm aber trotzdem stand,  und stellte sie immer wieder zurück ins Regal , weil ich die Musik nicht kannte und  ich mir nicht sicher war, ob sie  mir gefallen würde. Nachdem ich stundenlang umhergetigert war, kaufte  ich “Moondance ” , zusammen mit einer anderen LP, an die ich mich nicht mehr erinnere.

Später zu Hause dauerte es einige Monate, bis ich alt genug war, um dem Zauber dieser Musik zu erliegen. Aber als ich es tat, war ich von Van Morrisons Stimme tief berührt und beeindruckt. Ich sah Van Morrison dann Mitte der 90 iger Jahre, es muss die Zeit gewesen sein, in der er “the healing game”  veröffentlichte,  in  der Dortmunder Westfalenhalle beim legendären Rockpalast Konzert mit Candy Dulfer. Ich stand in der ersten Reihe, rechts an der Bühne  und  Morrison, der schon mal die Freigabe für ein solchen TV Mitschnitt verweigert, wenn er den Eindruck hat, er war nicht gut genug, sagte zum leitenden Redakteur : “Das können sie alles senden. ” 

Ein unfassbares Konzert, das  als eines der best ever  Rockpalast Konzert in die Musikgeschichte einging und das mein Leben für immer verändert hat. Was für ein Musiker, was für eine Power, was für eine Leidenschaft, was für eine straightness, was für ein Timing, was für eine Band.

Und die einzige Geste, die Van Morrsion in zweieinhalb Stunden mit seiner unfassbaren Ausstrahlung machte war, am Ende der letzten Zugabe einmal den Mikrofonständer kopfüber in die Luft zu heben, so dass er wie ein Ausrufezeichen für das, um was es im Leben eigentlich geht, senkrecht nach oben zeigte. Dann ging er , während die Band  noch weiterspielte, von der Bühne.

Dieses Konzert war nicht irgendein Konzert für mich. Es war ein Wendepunkt , ein Grund damals, weiterzukämpfen, und mich  aus dem Morast von  Problemen, in dem ich zu dieser Zeit bis zum Halse feststeckte , zu befreien. Ich drohte zu ertrinken und diese Energie auf der Bühne der Dortmunder Wesfalenhalle hinderte mich daran, unterzugehen.

2014 , Ich sitze hier, er sitzt dort. Ich bin eine kleine Singer –  Songwriterin, er ist ein Weltstar, also halte ich den Mund und habe Respekt vor diesem wunderbaren Künstler. Das er als Mensch wohl etwas sonderlich ist – zumindest sagen das einige Leute- , und durchaus ungehalten werden kann, fühlt er sich unwohl oder bedrängt, ist mir egal. Ich habe ein Ziel vor Augen , ich möchte mein Bestes geben, das Beste was ich jetzt zu geben im Stande bin. Kurz darauf steht Van Morrison auf und geht mit etwas windschiefen Schritten davon. Während die Crew im Big Room darauf wartet, dass es weitergeht, packt Van Morrison im 1. Stock seine Sachen und fährt einen Tag früher als geplant nach Hause.

Am Mittwoch morgen spielte ich auf Peter Gabriels Boesendorfer Flügel, der im Wooden Room etwas verwaist herumstand und diese Akkorde lösten die letzten Zweifel in mir auf. Peter Gabriels Flügel. Ich genoß diese Stunde, bevor Oli und Stuart kamen und probierte noch diverse Tasteninstrumente aus, die vor Ort sind . Als  Oli mich spielen hörte, improvisierte er auch ein wenig am Flügel und ich hörte sofort, dass er es konnte. Spontan übten wir  “mercy street ” , das ich eigentlich alleine an der Gitarre performen wollte, zusammen, Oli und ich. Nachdem wir das Instrument  aus der Ecke gerollt und mikrofoniert hatten, nahmen wir einen live take dieses Songs für mein Album an Peter Gabriels Flügel auf. Magisch. Ich werde es niemals vergessen.

Oli brachte mich an diesem zweiten Abend in den Big Room  und dann in Peter Gabriels privates Studio, das sich etwas versteckt hinter ein wenig Botanik in einem Anbau befindet. Ich stand in diesen Räumen voller Trommeln, Tasteninstrumente und Erinnerungen . Die Quadratmeter, in denen all diese Musik enstanden war, in dem dieser Mensch gearbeitet und geatmet hatte und ich wußte, dass mich dieser Einblick für immer verändern würde. Ich war nicht mehr die “Lumpenliese”, nicht mehr die Tochter eines  arbeitslosen Vaters, ich war angekommen. Ich war die Gründerin von “Küchentisch Productions,” die Frau mit der Stimme, die bis hierher gekommen war.

Am Ende dieser zwei Tage waren alle meine Songs aufgenommen ich hatte, ohne es zu wissen, mit dem Ehemann von Melanie Gabriel zu Abend gegessen und mich mit ihm über die zuweilen anstrengende Aufgabe, ein Kleinkind zu versorgen, unterhalten. Peter Gabriels` Verleger war  in meine Aufnahmesession gekommen und sagte mir , ihm habe meine Coverversion von “mother of violence ” gut gefallen und er würde immer schauen, was ich so mache. Ich stellte fest, dass Engländer wirklich sehr sehr lustig sind und das protools  wegen der Echtzeit, in der man Audiofiles in diesem Programm exportieren muss dort “Slowtools” genannt wird. Ein Wortspiel,über das ich bis ans Ende meiner Tage lachen werde. Peter Gabriel selbst traf ich nicht, da dieser in London war, doch das machte nichts. Es war ein nach Hause kommen, ein Neustart, und das dumpfe, schwere “Sch…Ffffupp”, mit der die dicken Schallschutztüren sich bei den letzten 2 cm von selbst schließen,  wird mir in Erinnerung bleiben: Alles ist, wie es sein soll.

Ich erzählte beim letzten Abendessen von meiner Angst, Autobahn zu fahren und zu fliegen und das ich deshalb den ganzen Weg alleine über die Landstrasse gefahren bin. Die  anwesenden Herren am Tisch  starrten mich ungläubig an – junge Männer, Anfang 20 ig, die ihr ganzes  Leben vor sich haben  und für Peter Gabriels back to front  Tour den Bühnenaufbau machen oder in seinem Studio an neuen Drumloops schrauben. ” She is  crazy ! It only takes  two hours by plane from Düsseldorf to  Bristol !”  “Yes, I know.” antwortete ich. ” It´s something I have to work on.”

Oli machte mir Mut, auf dem Rückweg die Autobahn zu nehmen, “It´s easy ! ” munterte er mich auf und es klang, als hätte er recht. Du musst nur geradeaus fahren. Stärkende Worte für  etwas , vor dem man Angst hat. Sie sind Gold wert. Auch wenn der, der sie jagt, nur ungefähr halb so alt ist, wie man selbst…

Am Donnerstag verließ ich gegen 10 Uhr 30  die Real World Studios und nahm die britische Autobahn Richtung London und dann Dover. Oli hatte Recht gehabt. Das war viel einfacher , als sich durch die Ortschaften zu schlängeln. Am Nachmittag erreichte ich pünktlich die Fähre, mit der ich vor einigen Tagen gekommen war.  Es war stürmische See, und ich fuhr, im Gepäck die Gesangs und Gitarrenaufnahmen von 11 Songs und zwei back to front Tassen, noch  die halbe Nacht durch, bis ich zu Hause war.

Ich hatte es tatsächlich geschafft.

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