Wie ich mit Van Morrison zu Mittag as . (Teil 1)

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Ich habe diese Reise so gut es geht festgehalten, in Videobildern, Fotos und natürlich in Form der 10 Songs, die ich in den Real World Studios am 7. und 8. Oktober aufgenommen habe. In einigen Wochen werden die Mixe fertig sein, neue Pressebilder gemacht und einige Videos online. Doch scheint mir in diesen Tagen kurz nach meiner Rückkehr, in denen die Erinnerungen langsam tiefer sacken mit jeder Nacht, in der ich schlafe und mit jedem Tag an dem der oft beschriebene Alltag wieder einkehrt, nur das geschriebene Wort in der Lage zu sein, meine Eindrücke zu beschreiben. Das, was ich mitnehme bis ans Ende meiner Tage.

Nichts wird mehr nach dieser Reise so sein wie vorher. Keine Therapiestunde, keine herumsuchen nach dem Lebenssinn , oder sollte ich besser sagen, dem gewissen Esprit, vor meiner eigenen Haustür wird mich mir jemals selbst so nahe  bringen wie diese 5 Tage mit einem schwarzen nagelneuen Ford aus der Europcar Station  Erkelenz.

Dazu muss ich sagen, dass mich meine diversen Ängste wieder stark eingeschränkt hatten hier vor Ort: Ich hatte es jahrelang, aus Angst, es nicht zu schaffen, vermieden, Autobahn zu fahren, ins Parkhaus zu fahren, überhaupt woandershin zu fahren als in die Innenstadt von Mönchengladbach oder Erkelenz, zum nächsten Supermarkt oder mal ins Kino. Wollte ich weiter weg, was bei meinem Beruf durchaus öfter der Fall ist und auch nötig, um am Ball zu bleiben, ließ ich das Auto stehen und nahm den Zug. Nicht so dieses mal, denn mein Equipment für die Aufnahmen konnte ich  nur im Auto transportieren. Da musste ich jetzt durch.
Es gesellten sich viele Ängste dazu von dem Tag an, an dem ich wusste, das ich fahren, wirklich fahren würde: Vor dem Linksverkehr, vor dem Live spielen, vor dem spielen ohne Metronom, um den eigenen Rhythmus zu finden. Vor meiner eigenen Verspanntheit die zu schlechten Musikergebnissen führen würde, denn in bestimmten Stresssituation kann ich mein Können, dass sich in Bezug auf die Gitarre, auf eine recht einfach strukturierte Begleitung beschränkt, manchmal nicht abrufen. Doch dieses mal kneife ich nicht. Ich fahre los. Bis nach England. Bis zu den Real World Studios. Man erwartet mich. Stuart Bruce, den leitenden Engineer, den ich das letzte mal am 10. September 2001 gesehen habe, treffe ich am Montag. Dienstag und Mittwoch werden die Aufnahmen sein.

Samstag morgen, 9 Uhr. Ich habe den Schlüssel vom kohleschwarzen, glänzenden Mietwagen in der Hand, mein Freund bzw. zukünftiger Ehemann hat mich zu Europcar Erkelenz gefahren, wir laden meine Sachen ins Auto. Reisetasche, Koffer, Gitarren, eine Tasche mit Proviant. Das Auto ist super. Meinen alten türkisen Corsa habe ich nach einigem Hin und Her von ein paar Tagen  für 120 Euro verschrottet. Mein Freund hat es mir aus Sicherheitsgründen ausgeredet, mit dieser an allen Ecken quitschenden und schaukelnden Gurke  loszufahren. Gottseidank, wie sich im Laufe der Reise herausstellt, denn die Handbremse, die bei meinem Corsa schon lange nicht mehr funktionierte, war im Zuge der kommenden 1600 km quasi überlebenswichtig. Ich wusste gar nicht mehr, das Bath, die Stadt in Südmittelengland, zu der ich Reisen will, an so steilen Hügeln liegt.

Und so ist diese Reise auch ein Abschied, von einem Bild, das ich von mir selbst als Künstlerin und dem, was mir als solcher zusteht, habe. Während mein Freund mir immer gut zuredet, wie wichtig gutes Arbeitsmaterial ist, in diesem Fall ein gutes Auto, denke ich immer noch, es wäre Rock´n Roll und irgendwie “standesgemäß” mit einer 20 Jahre alten Mühle loszufahren , weil es das sei, was zu mir passt, mir entspräche.

Wir verabschieden uns, “Du schaffst das.” sagt mein Freund. Ich sage ” Ich melde mich, wenn ich an der Fähre bin”. Immerhin, die Sonne scheint.

Als ich den Schlüssel ins Zündschloss stecke und das futuristische Cockpit betrachte, merke ich, dass ich das viel besser finde als den düster beleuchteten Corsa Baujahr 1996, der zudem viel mehr Benzin schluckt. Der Wagen sitzt wie angegossen. Stoppoks neue Cd “Popschutz” habe ich dabei, der Cd Player saugt den Silberling selbständig ein, als hätte er nur darauf gewartet, endlich mal was zu tun zu bekommen . – ein Song von mir “Geh aufrecht” , performed von Stoppok und Band ist drauf und ich hatte bisher keine Zeit, die Cd anzuhören.

Die ersten Takte, der Wagen rollt an , ich steuere vom Parkplatz in den noch spärlichen Samstagmorgen Verkehr und Stoppok wird mich auf der gesamten Reise, nur unterbrochen vom belgischen und englischen Verkehrsfunk, begleiten. Über weite Teile schweigen die Lautsprecher aber auch ganz, ich genieße einfach die Ruhe, hänge meinen Gedanken nach und/oder bin so mit dem für mich unfassbaren englischen Verkehr beschäftigt, dass ich das Radio ausschalten muss, um keinen Unfall zu bauen. Aber dazu später mehr.

Ich habe kein Navi im Auto, was sich später als Fehler herausstellt, aber zu dem Zeitpunkt gehe ich ohnehin noch  davon aus, dass ich in England keinesfalls die Autobahn benutzen würde, wegen des Linksverkehrs, und so ich  habe mir die Route ganz altmodisch ausgedruckt in Google Maps, ab Dover über Landstrasse.

Ich wohne Nahe der holländischen Grenze, bin bald in Belgien, dann an Brüssel vorbei wo ich ” Siehste, Brüssel, ´s geht doch !!! ” mit hochgereckter Faust ins Auto rufe, während Stoppok  “Was du mir gestern erzählt hast ” singt. Brüssel, auch so ein schwarzer Fleck in meiner Erinnerung, den ich nun überwinde. 2007 war ich bei meinem bis dahin letzten Versuch, nach England zu kommen, im Eurolines Bus in Brüssel Central , der letzten Station vor dem Eurotunnel,  bis aufs Hemd ausgeraubt worden und stand Mitten in der Nacht ohne Papiere und ohne Geld in dieser wirklich merkwürdigen Stadt. Die Diebe telefonierten auf meinem gestohlenen Vertragshandy in die ganze Welt, bis der Akku am nächsten Morgen leer war. Für 950 Euro, wie ich anhand der E- Plus Rechnung die der Postbote einige Wochen später durch unseren Briefkastenschlitz steckte, feststellte. Ich erinnere mich noch, wie ich den Brief mit dem markanten grünen Logo auf den Boden segeln sah und gleichzeitig  “Das wird teuer.” dachte, ohne den Umschlag  überhaupt in der Hand gehabt zu haben.  Einen Großteil der 950 Euro musste ich zahlen, denn in dieser Nacht stand ich durch den Überfall so unter Schock, das ich erst nach 2 Stunden in der Lage war, die nötigen Telefonate zu führen, um Kreditkarte und Handy zu sperren. Nie wieder war ich seitdem irgendwo hin gefahren. Zu tief der Schock darüber, die Nacht sitzend auf einer ausgelutschten Couch in einer fragwürdigen Hostel Lobby zu verbringen, weil das Hotel mich nicht hinein ließ, darüber, dass am nächsten Tag alle Bahnhöfe und auch die deutsche Botschaft wegen eines Streiks des öffentlichen Dienstes geschlossen waren und ich sowas von feststeckte, dass ich dachte, ich bliebe mein Leben lang gestrandet in dieser Stadt voller Pralinen und mit Decken zugehangener Hochhausfenster. Aus einer Baustelle tönte Peter Gabriels “Solisbury Hill” aus einem plärrenden Ghettoblaster und ich ging am späten Nachmittag, nachdem ich stundenlang ohne Frühstück total plemplem durch die Stadt geirrt war,  in die Station des Busunternehmens und drohte mit körperlichem und seelischen Zusammenbruch, direkt hier vor  den anderen Fahrgästen , wenn man mich nicht mit dem nächsten Bus nach Hause fahren ließe. Ich war Abends in Düsseldorf und aus dieser Erfahrung entstand ” No ticket Back”, einer meiner Lieblingssongs vom Album “Dakota”. “Like Paper in the wind , we´re stumbling on the streets , in waiting rooms and hotel bars and stations”.

Also – jetzt , 2014, fahre ich an Brüssel vorbei, dann geht es durch  Gent und ich denke  ” Wow das klappt ja super, nur gute 2 Stunden und ich bin nur noch 70 km von der Fähre in  Dunkerque entfernt.”  als quasi zeitgleich das Radio anspringt. Ich zucke etwas zusammen – mein alter Corsa hatte überhaupt kein Radio – der Sprecher sagt etwas wie  ” Viele Räderen an diese Samstach Middach” und das man lieber nicht die A 40 Richtung Oostende nehmen sollte, wenn es sich irgendwie vermeiden ließe, weil die Strasse dicht sei. Auf der bin ich aber gerade und da sehe ich auch schon das Stau Ende, “Klar” denke ich, die haben hier ja auch Herbstferien und Wochenende und das Wetter ist schön, wollen alle ans Meer “. Ich entschließe mich, nach ca.  20 Minuten im Stau , ab und über Land zu fahren, was ohne Navi ein nerviges und sehr langwieriges Unterfangen wird. Da ist sie schon, die erste Prüfung, der noch einige Folgen werden. Ruhig bleiben, die Nerven behalten. “Wenn du die Fähre verpasst, nimmst du die nächste.” Höre ich meinen Freund sagen. Gute Worte, wie überaus wichtig sie sind. Worte die Hoffnung machen, mit Liebe und Zuversicht gefüllt, wieviel sie bedeuten ! Mehr als alles andere.  Oft in meinem Leben  habe ich mich an solchen Worten festgehalten. Wenn es brenzlig wurde, ich nicht weiter wusste, es um die Wurst ging. Worte von Menschen, von denen ich wusste, dass sie es gut mit mir meinen. Dass ich mich auf sie verlassen kann. “Wenn du die Fähre nicht schaffst, nimmst du die nächste.” Ja, ok. Wenn es mir zu spät wird, nehme ich ein Hotel. Ich atme ein, ich atme aus. Ich werde es schaffen.

Um 15 Uhr 15, viel später als gedacht, aber genau pünktlich zum einchecken,  komme ich an der Fähre in Dunkerque an, glücklicherweise sind die letzten Km  gut ausgeschildert, mit international verständlichen Bildchen (kleiner PKW im Schiffsbauch auf drei blauen Wellen, hier entlang !!! ). Da bin ich dann doch erleichtert nach   6 Stunden für 320 km, na herzlichen Dank !

Ich steige aus und rieche die Seeluft, die Möven kreischen. “Ich glaub es nicht, du meine Güte, ich glaub es nicht “, rufe ich angesichts der riesigen, erwartungsvoll dampfenden DfDs Seaways Fähre in meinen dicken Wollschal, den ich mir zum Schutz meiner Stimme bis fast über die Ohren um den Kopf gewickelt habe. Die Leute neben mir, eine englische Familie, schaut etwas befremdlich, sie fahren zum wiederholten male, essen ein paar Butterkekse, alles ganz normal – woher sollen sie auch wissen, was gerade in mir vorgeht.

Keine 45 Minuten später legen wir ab.

 

 


Dünnkirchen – Dover, Samstag, 16 Uhr.

portrait

Ich versuche, mich damit abzufinden. Dass ich nicht unversehrt bin. Äußerlich sieht man es kaum, vor allem wenn ich mich fertig gemacht habe für die Bühne. Es sind innere Wunden, die mich geprägt haben und die ,je nach Lebenslage, immer wieder aufbrechen weil sie so tief sind. Ich versuche, trotzdem ein gutes Leben zu führen, die glücklichen Momente zu spüren, die nicht so guten als Chance zum wachsen anzunehmen. Und es geht mir heute wirklich gut. Ich lebe geregelt, sicher, ohne Alkohol, ohne Nikotin, ohne unnatürlichen Erfolgsdruck , ich muss keine Medikamente nehmen. Habe einen Partner, der mir wie ein Fels in der Brandung zur Seite steht. Meine wunderbare Tochter.Habe zwei Katzen die einfach nur lieb sind. Habe immer Ideen.Ich lache oft, habe Spass an Wortspielen und seit neuestem eine Spiegelreflexkamera, die genau die Bilder macht, die ich immer machen wollte.
Und trotzdem: dieses Vakuum, wenn das Empfinden sich auf Grund äußerer Lebensumstände abstellt, dieser Mechanismus einsetzt, den ich als Kind gelernt habe, um zu überleben: wer nichts empfindet, stirbt nicht am Schmerz, der Mechanismus ist immer noch da und ich kann nichts dagegen machen. Passieren bestimmte Dinge, die mir Angst machen, stehe ich da wie ein 8 jähriges Kind. Ich bin wütend darüber, denn ich habe mir das nicht ausgesucht, dass ich nun, als 44 Jährige Frau, immer noch darunter leiden muss und Phasen erlebe, in denen ich einfach nichts fühle.
Es war ein langer Weg.Der sprichwörtliche lange steinige Weg und die Musik hat mich gerettet. Früher, als ich 20 war, hielt mich die Musik von Peter Gabriel am Leben. Ich weiß, dass sich das theatralisch anhört, aber genauso dramatisch war es. Sie gab mir Hoffnung in meinem hermetisch abgeschossenen seelischen Gefängnis, in das ich durch einen unfassbaren Akt der Demütigung und des Mißbrauchs, den ich als kleines Mädchen über viele Jahre erlebt hatte, geraten war. Es gab kein Entrinnen aus diesem Vakum, in das sich meine Seele schützend zurückgezogen hatte, ich spürte zwar, dass ich in einer wirklichen Schieflage war, aber dagegen tun konnte ich nichts. Denn jegliche Erinnerungen an das Erlebte war verschluckt in einer totalen Amnesie. Ich hatte alles vergessen, um zu überleben. Abgespalten von mir selbst und allem, was Leben ausmacht, unfähig, irgendetwas aktiv und positiv zu gestalten, hing mein Leben lange Zeit am seidenen Faden, kamen Verletzungen hinzu. Sollche, die andere mir zufügten und sollche, die ich mir selbst zufügte. Das waren die allerschlimmsten. Aber ich wußte: wenn es jemanden gab, der so sang wie Peter Gabriel, musste es für mich einen Weg geben. Und genauso war es auch.
Als ich 26 jahre alt war, begann die Amnesie zu bröckeln und die Erinnerung, an das, was ich erlebt und überlebt hatte, blitzte immer öfter in mir auf. Ich konnte es nicht einordnen, was ans Tageslicht kam, war so beängtigend, allmächtig und unglaublich, dass ich Angst hatte, es nicht zu überleben. Helfen konnte mir niemand. Mir drohte der komplette Untergang, das Scheitern, der Tod.
Ich hörte Peter Gabriel und dachte an die Musik, die ich gerade selbst begonnen hatte, zu machen. An die Bilder, die ich noch nicht gemalt hatte. An die Songs, die ich schreiben wollte. Ich wollte leben. Also sagte ich zu mir selbst: ” O.K. ich habe 2 Möglichkeiten, entweder ich bleibe jetzt hier und sterbe oder ich bewege mich und finde einen Weg. Meinen Weg.”
Ich nahm für ein paar Wochen im Sommer 1997 einen ziemlich deprimierenden Job als Kellnerin in einer Studentenkneipe an und sparte ein paar hundert Mark. Mit dem Zug fuhr ich im September das erste mal nach Bath, 2 Stunden westlich von London, um die Real World Studios von Peter Gabriel zu besuchen. Ich kannte dort niemanden und hatte auch keinen Termin. Ich fuhr einfach los und werde diese Reise niemals vergessen, an deren Ende mich Peter Gabriel auf dem Parkplatz kurz grüsste. Ich durfte nicht hinein, doch ich war auch  nicht die einzige, die sich auf diese Reise gemaht hatte: Im Hostel, in dem ich Unterkunft fand, lernte ich eine jungen Mann kennen, der auch Musik machte und mir stolz ein Foto zeigte, das ihn und Peter Gabriel auf genau dem gleichen Parkplatz zeigte. Ich war nicht alleine.
Es folgten bewegte und zum Teil sehr harte Jahre, in denen nach und nach alles ans Licht kam und in denen sich nach und nach alles zum Guten regelte, obwohl ich mehr als einmal Angst hatte, es nicht zu schaffen. Ich machte meine Musik, erhielt Plattenvertäge, veröffentliche Cds, gab Konzerte und wurde mit jedem Tag mehr ich selbst. Ich lernte, damit zu leben.
Trotzdem gibt es diese Tage, manchmal Wochen, an denen alles wieder da ist. An denen es mich einholt. Die vertane Zeit, die verlorenen Jahre, die verpassten Chancen. Die Scham darüber, was mit angetan wurde.
Trotzdem bin ich froh. Einfach darüber, dass ich überlebt habe und mir diese Möglichkeit gegeben ist, mich über meine Musik auszudrücken. Dass es Menschen gibt, denen meine Musik etwas bedeutet. Da, wo keine Worte mehr hinkommen, kann ich mit meiner Gitarre hin. Das, was unerklärlich bleibt – Ich kann es ausdrücken, indem ich singe und Songs schreibe. Was für eine unbezahlbare Gabe.
Nun reise ich, fast 20 Jahre nach meiner ersten Begegnung, wieder nach Bath. Dieses mal nicht als Besucher, sondern als Musikerin. Ich darf reingehen. Die Mikros werden für mich aufgebaut. Ich habe mich 2 Tage in die Real World Studios eingemietet und werde 10 Songs, die mir sehr am Herzen liegen, live einspielen. Es ist die Herausforderng meines Lebens. Mein absoluter Lebenstraum. Nie habe ich um etwas mehr gekämpft als darum. Denn die Angst springt mir aus allen Ecken entgegen.
Ich habe Angst. Reale, ungeheure Angst. Vor er langen Autofahrt, vor der Fähre, davor, auf dem Weg vielleicht festzustellen, dass ich es nicht schaffe. Das ich steckenbleibe, verschwinde, aufgeben muss. Neben mir stehe und nichts mehr empfinde. Dass dieser Moment ungespürt an mir vorbeizieht. Es wäre nicht das erste Mal.
Es ist eine Grenzerfahrung, meinen Lebenstraum in die Tat umzusetzen. Doch ich bin nicht alleine. Die Menschen, die meine Musik mögen, haben diese Aufnahmen mit Crowdfunding möglich gemacht und ich bin ihnen sehr dankbar. Vor allem,weil ich dadurch auch weiß, dass jemand da draußen diese songs gerne hören möchte. Das es nicht nur um mich selbst geht.
Ich habe viel geübt, nur die Gitarre und ich und es waren intensive Wochen der Vorbereitung. Zwei neue englische Songs sind noch entstanden und die nehme ich mit auf diese Reise zu mir selbst.
Heute gehe ich noch zum Friseur, auch etwas, zu dem ich mich immer noch überwinden muss, weil mir dann jemand auf Tuchfühlung nahe kommt, dann packe ich. Zwei Gitarren, (eine akustische und eine elektrische), eine Tasche voller Klein- Equpiment, Saiten, Notenständer, alles was ich brauche, eine Tasche mit persönlichen Sachen. Ein Kleid mit Blumen habe ich sogar gekauft. Meine Kamera. Doch das wichtigste trage ich in mir: Meine Stimme, mein Empfinden, meinen Mut, meine Hoffnung, meine Lebensfreude. Trotz allem. Ich mache mich auf den Weg, um zu zeigen, dass es immer einen Weg gibt, dass es sich lohnt, für seinen Traum einzustehen, egal, wie absurd und unreal der für andere klingt. Dass es sich lohnt , um sein Leben zu kämpfen. Die Blockaden zu lösen. Die Leinen zu lösen. Die Dinge beim Namen zu nennen, sich seinen Ängsten zu stellen.
Ich habe Angst – aber ich werde losfahren. Ich habe das Ticket für die Fähre.
Dünnkirchen-Dover,Samstag, 16 Uhr.